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1. Vorwort
Schlägt man derzeit die über den Satellitenempfang berichtenden Fachzeitschriften und Broschüren auf, so findet sich in fast jeder solchen ein Beitrag zum Thema DiSEqC. Dieser Bericht soll sich von den bisher veröffentlichten unterscheiden und eine Hilfestellung für den Techniker sein, der beim Kunden DiSEqC Komponenten installiert und sich daher technisches Hintergrundwissen zu DiSEqC aneignen muß. Die Abhandlung ist zwar mit vielen technischen Informationen bestückt, soll aber auch für Nichttechniker verständlich sein und beinhaltet daher nur die wichtigsten Informationen verschiedener DiSEqC Spezifikationsdokumente.

2. Geschichtliches
Wer die Entwicklung des Satellitenempfangs aktiv beobachtet hat kann feststellen, daß der Umfang der benötigten Umschaltkriterien stets gewachsen ist. Es werden Steuersignale zur Wahl der Polarisationsebene, des Frequenzbandes und der Satellitenposition bzw. zur Steuerung einer drehbaren Antenne, die auch meist mit einem separaten Polarizer ausgestattet ist, benötigt. Die Schnittstellen sind jedoch nicht standardisiert und werden teilweise sogar für gegensätzliche Zwecke verwendet. Zusätzlich treten Übertragungsfehler und Spannungsabfälle auf den Leitungen sowie elektromagnetische Störungen durch ungeschirmte Steuerleitungen auf.
Mit dem Ausbau des Hot-Bird Satellitensystems von EUTELSAT und der Erweiterung des ASTRA Satellitensystems von SES gab es nun einen weiteren Konflikt in der Verwendung der Steuersignale. Während ASTRA das auf die Fernspeisung aufmodulierte 22 kHz Tonsignal zur Umschaltung zwischen dem unteren und dem neuen oberen Frequenzband (Universal LNB) verwendet, propagierte EUTELSAT dies zunächst zur Wahl des Satellitensystems bei einer Multifeed Antenne. Einige Hersteller begannen damit, Receiver mit zusätzlichen firmenspezifischen Kennfrequenzen für ein weiteres Umschaltkriterium zu entwickeln, was zu weiteren Inkompatibilitäten und technischen Problemen führte.

Philips erkannte die Misere und machte sich Gedanken über ein neues, flexibles und preisgünstiges System zur Steuerung der gesamten Antennenperepherie wie LNBs und Multischalter, bis hin zu Polarizern und drehbaren Antennensystemen. Unter der Bezeichnung DiSEqC (Digital Satellite Equipment Control, Digitale Satellitenzubehör-Steuerung) wurde das System von EUTELSAT verfeinert und endgültig spezifiziert. Es steht nun jedem als offener und lizenzfreier Industriestandard zur Verfügung und wird von EUTELSAT koordiniert.

DiSEqC ist ein Warenzeichen von EUTELSAT.®

3. Einführung
Mit DiSEqC wurde erstmals ein System geschaffen, dessen Leistungsfähigkeit für die heute notwendigen Anwendungen weit überdimensioniert ist. Obwohl alle derzeit erdenklichen Anwendungen berücksichtigt und spezifiziert wurden, ist es wegen der Flexibilität des Systems jederzeit möglich, zusätzliche Funktionen zu implementieren.

DiSEqC definiert einen einheitlichen und herstellerneutralen Standard, welcher langfristig die vorhandenen analogen und teilweise firmenspezifischen Steuersysteme ablösen soll. Damit ein fließender Übergang möglich ist, kann DiSEqC zusätzlich zu den vorhandenen analogen Schaltkriterien eingesetzt werden.

Bei der Entwicklung von DiSEqC wurde darauf geachtet, daß eine kostengünstige Implementierung möglich ist. Die meisten Satellitenreceiver können alleine durch kleine Softwareänderungen im bestehenden Mikroprozessor DiSEqC Befehle ausgeben. In den Perepheriekomponenten dagegen ist etwas mehr Aufwand nötig, hier muß ein kleiner maskenprogrammierter Microcontroller (83C750) implementiert werden, der jedoch einen Teil der bisherigen Auswertelogik ersetzen kann.

DiSEqC ist für Zwei-Wege-Kommunikation ausgelegt, d.h. ein Multischalter kann beispielsweise dem Satellitenreceiver die Ausführung eines Schaltbefehls bestätigen (ggf. automatische Fehlersuche) oder der Receiver kann das LNB nach den verfügbaren Lokaloszillatorfrequenzen fragen (automatische Programmierung).

Durch die spannungspegelunabhängige Signalisierung entfallen Schaltschwellenprobleme durch Spannungsabfälle auf den Zuleitungen. Die Netzteile in den Receivern können wegen der künftig konstanten Fernspeisespannung kostengünstiger werden. Außerdem ist eine erhebliche Energieersparnis durch Reduzierung der Fernspeisespannung möglich.

DiSEqC ist ein "Single Master / Multi Slave - System", d.h. die Signalpfade sind so aufgebaut, daß niemals mehrere DiSEqC Master (Receiver) auf den selben Slave zugreifen. In einem Multischalter ist also jedem Teilnehmerausgang ein eigener Slave zugeteilt. Andersherum kann ein Master mehrere Slaves (LNBs, Multischalter etc.) ansteuern. Dieses Konzept entspricht genau der Sat-ZF Verteilstruktur. Die DiSEqC Aktivitäten gehen immer vom Master aus, d.h. ein Slave kann nur antworten, wenn er vom Master gefragt wird.

4. Jetzt wird's Digital

Die Schaltbefehle werden bei DiSEqC seriell als verschlüsselte Digitalwörter übertragen. Wie in der Computertechnik üblich bilden jeweils acht Bit ein Byte (absteigende Reihenfolge), gefolgt von einem Paritätsbit (ungerade). Das DiSEqC Datenwort setzt sich aus einem Startbyte, einem Adressbyte und einem Befehlsbyte zusammen, dem ein zusätzliches Datenbyte folgen kann.